Interview mit Dr. Jörg Styrie, Geschäftsführer des Bundesverband Tierschutz e.V. (BVT) – Bürohund aus der Sicht des Tierschutzes

Dr. Jörg Styrie, Geschäftsführer des Bundesverband Tierschutz e.V. (BVT), unterstützt das Engagement des Bundesverbandes Bürohund aus Berlin. „Es ist mittlerweile erwiesen, wie positiv sich die Anwesenheit eines Hundes im Büro nicht nur auf die Hundebesitzer selbst, sondern auch auf deren Kollegen auswirkt“, sagt Dr. Jörg Styrie.

Im folgenden Interview erläutert der BVT-Geschäftsführer die notwendigen Rahmenbedingungen, unter denen sich der Kollege Hund im Büro wohl fühlt.

 

Dr-Styrie-Bundesverband-Tierschutz Bürohund
Dr. Jörg Styrie, Geschäftsführer des Bundesverband Tierschutz e.V. (BVT). Quelle: BVT

Bundesverband Bürohund: Herr Dr. Styrie, Sie sind Geschäftsführer im Bundesverband Tierschutz und seit über 25 Jahren im Tierschutz aktiv. Ist das Mitnehmen von Hunden in Büros artgerecht oder gibt es aus Tierschutzsicht vielleicht doch Gründe, die gegen die Anwesenheit von Hunden in Unternehmen sprechen?

Dr. Jörg Styrie: Grundsätzlich möchte ich dazu sagen, dass ich die Entwicklung sehr begrüße, dass sich Unternehmen immer offener gegenüber den berechtigten Wünschen ihrer Mitarbeiter zeigen, Hunde mit an den Arbeitsplatz nehmen zu dürfen.

Wir wissen heute aus vielen wissenschaftlichen Untersuchungen, wie positiv sich Hunde auf die seelische und körperliche Verfassung von Menschen auswirken und gerade auch in anspannenden Situationen massiv zur Stressreduktion beitragen.

Damit beide – Hund und Mitarbeiter – voneinander profitieren, müssen allerdings bestimmte Voraussetzungen geschaffen werden.

 

Bundesverband Bürohund: Um was geht es Ihnen da genau?

Dr. Jörg Styrie: Dass sich die Chefetage und die Mitarbeiter mit Hunden im Büro vorab einverstanden erklären müssen, ist klar. Denn wenn es Kollegen mit ausgeprägten Ängsten vor Hunden gibt, wird es schwierig sein, ein entspanntes Verhältnis innerhalb des Teams aufrecht zu erhalten. Diese Punkte sollten also ausführlich geklärt und Lösungen gefunden werden.

Dann braucht der Hund im Büro einen ruhigen Platz. Er darf nicht im Durchgang liegen, nicht an Hitze-, Lärm-, Dunst- oder Emissionsquellen. Günstig wäre es sicher auch nicht, wenn direkt über ihm das Telefon klingelt, Fax und Drucker in unmittelbarer Nähe arbeiten oder die Kollegen ständig an seinem Korb vorbeigehen, um den Kopierer zu bedienen. Absolutes No-Go: Dass Mitarbeiter über seinen Korb steigen müssen, um bestimmte Handgriffe ausführen zu können. Ebenfalls muss sichergestellt sein, dass der Hund nicht vom Büro unbeaufsichtigt durch den Firmenkomplex oder gar auf die Straße laufen kann.

Am besten liegt der Hund im Korb hinter dem Schreibtisch seiner Bezugsperson und sollte so erzogen und gut sozialisiert sein, dass er Kollegen und Besucher weder verbellt noch anspringt. An seinem Rückzugsort sollte auch sein Trinknapf stehen, gegebenenfalls auch ein Kauknochen liegen.  

Hinsichtlich der Artgerechtigkeit gilt in meinen Augen dasselbe wie bei einer Haltung im privaten Umfeld: Der Hund braucht seine regelmäßige Bewegung, Auslastung und Kontakte zu Artgenossen, im besten Fall alle drei bis vier Stunden. Da die Spaziergänge aufgrund der begrenzten Pausenzeiten nicht sehr ausgedehnt verlaufen können, sollte das Tier morgens vor Arbeitsbeginn, danach und vor allem an den Wochenenden körperlich und geistig ausgelastet und beschäftigt werden.

Wenn die Büroräume in einer Großstadt an befahrenen Haupt- oder frequentierten Geschäftsstraßen ohne Grünflächen liegen, halte ich es für nahezu unmöglich, dem Hund gerecht zu werden.

Anders bei einem Büro in ruhigen Straßen, mit für Hunde erlaubten Grünflächen in der Umgebung. Hier kann der Hund in den Pausen herausgeführt werden, um sich zu erleichtern, mit seinem Besitzer und/oder Artgenossen zu spielen und sich ausreichend zu bewegen.

 

Bundesverband Bürohund: Wir werden oft gefragt, ob Hunde während der Arbeitszeit zwingend spielen müssen, wie schätzen Sie das ein?

Dr. Jörg Styrie: Ich halte es für besser, den Hund während der Arbeitszeit ruhen zu lassen und ihn dann in den Pausen zu bewegen. Wenn der Hund laufend mit seinem Spielbedürfnis den Besitzer selbst oder die Mitarbeiter ablenkt, wird sich das keine Unternehmensführung lange mit anschauen wollen.

Außerdem braucht der Hund, wie in den eigenen vier Wänden auch, seine „Auszeiten“, in denen er schläft und in Ruhe gelassen wird – aber auch umgekehrt die klare Botschaft bekommt, seine Besitzer bei ihren Tätigkeiten nicht zu stören.

 

Bundesverband Bürohund: Gibt es Hunde, die sich aufgrund bestimmter Charaktereigenschaften besser als Bürohund eignen als andere?

Dr. Jörg Styrie: Wenn die Hunde freundlich und  sozialverträglich sind, ist das schon einmal eine gute Basis. Natürlich müssen sie erzogen sein und zu ihrem Besitzer ein gutes, vertrauensvolles Verhältnis haben.

Schwierig stelle ich mir Hunde vor, die ein ausgeprägtes Territorialverhalten haben. Hier muss man möglicherweise einen höheren vorbereitenden Schulungsaufwand betreiben Gleichfalls könnten ängstliche und sehr sensible Hunde Schwierigkeiten mit einem turbulenten Büroalltag haben. Wahrscheinlich ist es ohnehin unerlässlich, den Hund langsam an sein neues Umfeld heranzuführen und ihn behutsam mit den Kollegen und den Büroabläufen (Telefon, Meetings, Kundenkontakte etc.) vertraut zu machen.             

 

Bundesverband Bürohund: Schließen Sie Hunde aus dem Tierschutz als Bürohunde aus?

Dr. Jörg Styrie: Nein, gar nicht. Aber die genetische Veranlagung und die Erfahrungen des jeweiligen Hundes, unabhängig von seiner Herkunft, müssen berücksichtigt werden. Wenn ein Tier eine besonders belastende oder traumatisierende Vergangenheit (Vernachlässigung, Zwingeraufenthalt, Furcht vor dem Besitzer etc.) hatte, würde ich nicht oder vielleicht erst später dazu raten, ihn mit zusätzlichen Stressfaktoren, wie einem Büroumfeld, zu konfrontieren.

Sonst ist jeder Hund aus einem Tierheim genauso gut geeignet, sein neues Frauchen oder Herrchen ins Büro zu begleiten. Denn diesen Aspekt darf man nicht außer Acht lassen: Hunde fühlen sich bei ihren Besitzern am wohlsten – und umgekehrt gilt das natürlich auch! Viele Hundehalter haben Gewissensbisse, ihre Tiere auch nur für Stunden alleine zu lassen. Darum ist die Lösung, den eigenen Hund mit zum Arbeitsplatz nehmen zu dürfen, eine immense Erleichterung und bietet – wie gesagt – große Vorteile für beide Seiten. Ich sehe an dieser Stelle eine besondere Chance für Hunde aus dem Tierheim.

 

Bundesverband Bürohund: Was würden Sie Berufstätigen raten, die Ihren Hund mit an den Arbeitsplatz nehmen möchten?

Dr. Jörg Styrie: Ich würde ihnen empfehlen, an einem speziellen Training für angehende Bürohunde teilzunehmen. Hundeschulen bieten solche Schulungen bereits an und können aufgrund ihrer Erfahrung schnell beurteilen, ob bestimmte Hunde so niedrige Reizschwellen haben, dass für sie ein Büroalltag zunächst nicht in Frage kommt. Die Gelassenheit müsste man dann in Ruhe trainieren. Eine hohe Reizschwelle, die die Hunde souverän mit Außenreizen umgehen lässt, ist da schon eine wichtige Voraussetzung.

Bundesverband Bürohund: Herr Dr. Styrie, wir danken Ihnen für das Gespräch.     

 

 

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