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HUNDEWISSEN

Hunde besser verstehen

Wer mit einem Hund lebt, kennt viele seiner Gewohnheiten. Trotzdem erlebt er dieselbe Umgebung aus seiner eigenen Perspektive.

Forschung kann helfen, genauer hinzusehen.

Forschungsstand: August 2026

Liniengrafik: Hund neben einem Wissensdokument
UNSERE HALTUNG

Der Hund bleibt Hund

Beim Bürohund wird häufig darüber gesprochen, welche Wirkung seine Anwesenheit auf Menschen haben kann. Für unsere Arbeit gehört die Perspektive des Hundes von Anfang an dazu.

Der Hund ist ein eigenständiges Wesen. Seine Wahrnehmung und seine Bedürfnisse verdienen einen ernsthaften Blick. Dazu gehört die Bereitschaft, die eigene Einschätzung gelegentlich zu überprüfen.

Unser Grundsatz

Ein Hund darf niemals Mittel zum Zweck sein.

Wer danach handeln möchte, sollte versuchen zu verstehen, wie Hunde ihre Umwelt erleben.

DERSELBE RAUM
Ein Ort.
Unterschiedliche Informationen.

Was für uns unscheinbar wirkt, kann für den Hund relevant sein.

WAHRNEHMUNG

Seine Welt ist unsere Welt. Er erlebt sie anders.

Ein Mensch und ein Hund betreten gemeinsam einen Raum. Beide sind am selben Ort. Welche Informationen ihnen dort zur Verfügung stehen, unterscheidet sich.

Hunde verfügen über dichromatisches Farbsehen. Farben und Details nehmen sie anders wahr als wir. Auch ihre visuelle Aufmerksamkeit kann sich von unserer unterscheiden.

Zur Forschung: Neitz, Geist & Jacobs (1989)

Für uns wirkt ein Raum vielleicht unverändert. Ein Hund kann dort Geruchsinformationen aufnehmen, die wir nicht bemerken. Parr-Cortes und Kollegen zeigten 2024 einen Einfluss menschlichen Stressgeruchs auf das Verhalten der untersuchten Hunde.

Originalstudie ansehen

Bestimmte hohe und zeitweise auftretende Alltagsgeräusche gingen in einer Untersuchung häufiger mit Angstverhalten einher. Ein Teil der Menschen unterschätzte dabei die Reaktion seines Hundes.

Zur Studie: Grigg et al. (2021)

2020 konnten drei trainierte Hunde schwache Wärmestrahlung unterscheiden. Eine ergänzende Untersuchung mit 13 wachen Hunden zeigte dazu passende Hirnaktivität. Die Bedeutung im Alltag ist noch offen.

Zur Studie: Bálint et al. (2020)
INTERPRETATION

Was wir sehen und was wir daraus machen

Wir geben dem Verhalten eines Hundes oft innerhalb eines Augenblicks eine Bedeutung. Gerade beim eigenen Hund fühlt sich diese Einordnung häufig selbstverständlich an.

BEOBACHTUNG

Was wir sehen

Der Hund dreht den Kopf zur Seite.

DEUTUNG

Was wir daraus machen

Vielleicht denken wir sofort: „Er will gerade keinen Kontakt.“

Das kann stimmen. Sicher beobachtet haben wir zunächst nur die Bewegung.

Molinaro und Wynne zeigten 2025, wie stark der sichtbare Zusammenhang unsere Einschätzung beeinflussen kann. In zwei Experimenten veränderte sich die Bewertung des emotionalen Zustands eines Hundes mit dem dargestellten Umfeld.

Wir können Verhalten beobachten. Was es bedeutet, müssen wir erschließen.

Auch Kommunikation lässt sich selten über ein einzelnes Signal erklären. Ein Wedeln ist sichtbar. Welche Bedeutung es hat, ergibt sich aus der Situation und aus dem Hund, den wir vor uns haben.

18.385

Hunde in den ausgewerteten Verhaltensdaten

Morrill et al. (2022)

INDIVIDUALITÄT

Der einzelne Hund zählt

Rasse und genetische Herkunft können Verhaltensmerkmale beeinflussen. In der großen Untersuchung von Morrill und Kollegen erklärte die Rasse rund neun Prozent der Unterschiede im individuellen Verhalten.

Rassewissen kann Hinweise geben. Wie sich ein bestimmter Hund in einer konkreten Situation verhalten wird, lässt sich daraus nur begrenzt ableiten.

Ein Rassename erzählt etwas über Herkunft und mögliche Veranlagungen. Kennenlernen müssen wir den Hund vor uns.

EIGENE PERSPEKTIVE

Der Hund darf Einfluss haben

Wir treffen viele Entscheidungen für unsere Hunde. An manchen Stellen können wir ihnen selbst Einfluss auf eine Situation ermöglichen.

Eine Pilotstudie aus dem Jahr 2025 untersuchte Berührungen bei 18 zertifizierten Therapiehunden. Bei freier Wahl verbrachten die Hunde im Durchschnitt 77,9 Prozent der Zeit weiterhin in Reichweite der Menschen.

Die kleine Stichprobe begrenzt die Aussagekraft. Interessant bleibt, dass Wahlmöglichkeiten in dieser Untersuchung keineswegs zum Verlust von Nähe führten.

IM ALLTAG

Der Hund darf gehen.

Ein Hund darf Kontakt suchen und später wieder gehen.

Auch im Büro braucht ein freundlicher Hund keine dauernde soziale Bereitschaft. Ein Rückzugsort erfüllt seinen Zweck erst, wenn dort tatsächlich Rückzug möglich ist.

MENSCH UND HUND

Unser Stress kann beim Hund ankommen

Hunde leben eng mit uns zusammen. Forschung gibt Hinweise darauf, dass Belastungen des Menschen auch mit Stressanzeichen beim Hund zusammenhängen können.

Mitropoulos und Andrukonis untersuchten 2025 85 berufstätige Hundehalter und ihre Hunde. Höherer beruflicher Stress hing mit mehr verhaltensbezogenen Stressanzeichen beim Hund zusammen. Arbeitsbezogenes Grübeln nach Feierabend spielte bei diesem Zusammenhang eine vermittelnde Rolle. Die Untersuchung beruhte auf einer Online-Befragung und zeigt einen Zusammenhang, keine direkte Ursache-Wirkung-Beziehung.

Sundman und Kolleginnen und Kollegen fanden 2019 bei 58 Mensch-Hund-Paaren Zusammenhänge zwischen den langfristigen Cortisolwerten von Menschen und Hunden. Die untersuchten Hunde waren Border Collies und Shetland Sheepdogs.

Eine Folgestudie von Höglin und Kolleginnen und Kollegen aus dem Jahr 2021 fand eine solche Synchronisation bei alten Hunderassen und selbstständig arbeitenden Jagdhunden nicht in gleicher Form. Wie menschlicher und hündischer Stress zusammenhängen, hängt also auch von den untersuchten Hunden und den jeweiligen Bedingungen ab.

Quellen: Mitropoulos & Andrukonis (2025) ↗ · Sundman et al. (2019) ↗ · Höglin et al. (2021) ↗

Unsere Verantwortung

Der Hund ist kein Blitzableiter für unseren Stress.

Ein Hund darf Menschen guttun. Seine eigene Belastung, seine Ruhe und seine Möglichkeiten für Abstand zählen ebenso.

EINORDNUNG

Forschung bleibt in Bewegung

Auch gute Forschung beantwortet viele Fragen nur für die untersuchten Bedingungen. Wie belastbar ein Ergebnis ist, hängt unter anderem vom Versuchsaufbau und von den beteiligten Hunden ab. Spätere Arbeiten können eine bisherige Einordnung verändern.

Wenn neue Forschung unsere Einschätzung verändert, passen wir die Inhalte an.

Stand dieser Seite: August 2026

NACHPRÜFEN

Ausgewählte wissenschaftliche Quellen

Die Aussagen auf dieser Seite beruhen auf wissenschaftlichen Veröffentlichungen. Hier stehen die Originalarbeiten, die für die dargestellten Themen besonders wichtig sind.

Neitz, Geist & Jacobs (1989) · Color vision in the dog
Parr-Cortes et al. (2024) · Scientific Reports · menschlicher Stressgeruch
Mitropoulos & Andrukonis (2025) · Scientific Reports · beruflicher Stress und Stressanzeichen beim Hund
Sundman et al. (2019) · Scientific Reports · langfristige Stresswerte bei Mensch und Hund
Höglin et al. (2021) · Scientific Reports · Mensch-Hund-Beziehung und langfristiger Stress
Grigg et al. (2021) · alltägliche Geräusche und Angstverhalten
Bálint et al. (2020) · Wahrnehmung schwacher Wärmestrahlung
Molinaro & Wynne (2025) · Anthrozoös · menschliche Interpretation von Hundeemotionen
Morrill et al. (2022) · Science · Rasse und individuelles Verhalten
Sarrafchi et al. (2025) · Applied Animal Behaviour Science · freiwillige und vorgegebene Berührung
Rault et al. (2025) · Biology Letters · positives Tierwohl

Weitere Quellen und Recherchewege

BEZAHLTE WERBUNG

Mehr über die Hundeperspektive

Die Themen auf dieser Seite sind bewusst ausgewählt. Die Wahrnehmungswelt des Hundes und seine Kommunikation reichen wissenschaftlich erheblich weiter.

Markus Beyer beschäftigt sich in seinem Buch zum Drei-Welten-Modell ausführlicher mit der Welt des Hundes und ihrer Bedeutung für unser Zusammenleben.

Die wissenschaftlichen Grundlagen erhalten dort deutlich mehr Raum.

Veröffentlichung in Vorbereitung

Weitere Informationen folgen mit der Veröffentlichung des Buches.